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Unlearning Center: Die EPFL-Architektur, neu gedacht von ihren Studierenden
Unlearning Center: Die EPFL-Architektur, neu gedacht von ihren Studierenden
Die Workshops des «Unlearning Center», organisiert vom Studentenverband TNT der EPFL, hinterfragen die akademische Arbeitskultur und zielen darauf ab, die Institution von innen heraus zu verändern. Ihre Ergebnisse fliessen heute in die Überarbeitung des Architekturcurriculums ein.
Ein Artikel von Yony Santos, Architekt und Verlagsleiter espazium education
➔ En français : Unlearning Center : l’EPFL Architecture repensée par ses étudiant·e·x·s
➔ In Italiano : Unlearning Center: l'EPFL Architecture ripensata dai suoi studenti
Man muss schon einmal ein «Unlearning Center» betreten haben, um die Tragweite dessen zu verstehen, was dort geschieht. Diese zweimal jährlich stattfindenden Austauschveranstaltungen werden seit 2022 von der ASAR (Association de la Section d'Architecture) in Form von Workshops und Versammlungen organisiert und sind einer der wenigen Orte, an denen alle Mitglieder des Fachbereichs Architektur der EPFL sich frei äussern können.
Ihre Stärke liegt darin, dass sie nicht nur die Ablehnung von Stress, Leistungsdruck und stillschweigender Hierarchie zum Ausdruck bringen, sondern auch Bedürfnisse formulieren: reparieren, zuhören, die Schule anders gestalten. Im Mittelpunkt dieser halbtägigen gemeinsamen Reflexionsrunden stehen Dialoge zwischen Studierenden, Assistenten, Studiendirektoren, Professoren und Dozenten zu strukturierenden Themen.
Die Kultur der unermüdlichen Arbeit wird nicht mehr glorifiziert; ergebnisorientierte pädagogische Modelle werden hinterfragt, um prozessorientierte Modelle aufzuwerten; auch die dominierenden Figuren der Architektur werden zugunsten der Teamarbeit entmystifiziert – ein nachhaltiges Engagement. Diese Momente des Austauschs zielen darauf ab, die Architekturschule in Lausanne in der lokalen Realität zu verankern und sich gleichzeitig für eine kollektivere Schule einzusetzen.
Trotz der Energie und Klarheit, die diejenigen zum Ausdruck bringen, die sich auf diese akademische Selbstreflexion einlassen, bleiben diese Momente des Austauschs zur Verbesserung der Ausbildung von innen heraus eher Randerscheinungen. Die EPFL führt zahlreiche Umfragen und Diagnosen durch – insbesondere die derzeitige Neugestaltung des Lehrplans –, aber es fehlen konkrete Ressourcen – personelle, finanzielle oder sogar symbolische –, um einige der beschlossenen Massnahmen umzusetzen und die gewünschten Veränderungen zu begleiten.
Sollte man beispielsweise das Engagement von Vereinen anerkennen, um die Mitwirkung zu fördern und diesen Initiativen eine dauerhafte Verankerung zu ermöglichen? Was sagt es über die EPFL aus, dass solche Räume bei jeder Ausgabe neu verhandelt werden müssen, ohne dass es eine echte institutionelle Begleitung oder Unterstützung gibt?
Die untenstehenden drei Texte, verfasst von Mitgliedern des Kollektivs TNT 1 –Transition pour une Nouvelle culture du Travail–, das seit 2024 für das Unlearning Center verantwortlich ist, beleuchten die Ambitionen dieser Versammlungen aus verschiedenen Blickwinkeln: Erstens, wie Raum und Zeit die Beziehung zum Lernen verändern; zweitens, wie ein solches Instrumentarium die Grenzen der akademischen Kultur und ihrer impliziten Normen verschiebt; und drittens, warum Vereinsaktivismus ein entscheidender Indikator für die Vitalität – oder Fragilität – einer Hochschule ist.
Eine gesunde Universität ist eine Universität, die von Debatten, Kritik und Experimenten geprägt ist. Dies sind die drei Grundpfeiler des «Unlearning Center».
Entdecken Sie die Artikel der Mitglieder des TNT (2025, auf französisch):
- Unlearning Center 1/3: désapprendre pour mieux apprendre
- Unlearning Center 2/3: un espace-temps pour reformuler la culture académique
- Unlearning Center 3/3: reconnaître l’importance du travail associatif à l’EPFL
Aktuelle News von ASAR und TNT: @ ASAR_EPFL | @ TNT_EPFL