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Bauwerk aus dem 3D-Drucker: Ein Weisser Turm für Mulegns

Publiziert 23. Juni 2021

Der 23 Meter hohe Turm aus 3D-​gedrucktem Beton soll eine Kulturstätte im Dorf Mulegns am Julierpass werden. ETH-​Architekten und -​Ingenieure entwarfen und planen ihn. Im Frühling 2022 soll der Bau beginnen, Roboter drucken die Bauteile des Turmes vor Ort, sodass jede und jeder zusehen kann.

Das Dorf Mulegns liegt an der Julierpassstrasse und hat noch sechzehn Einwohnerinnen und Einwohner. Jetzt soll die Kultur einziehen und den Ort neu beleben. Diesen Plan verfolgt Giovanni Netzer, Theaterintendant und Gründer des Origen-​Kulturfestivals. Seine Stiftung liess dafür eine alte Villa verschieben, nahm ein Hotel wieder in Betrieb und lässt jetzt einen Turm aus weissem Beton drucken.

Digitale Bautechnologie im Bergdorf

Entworfen und geplant haben den «Weissen Turm» ETH-​Professor Benjamin Dillenburger und Michael Hansmeyer aus der Forschungsgruppe Digitale Bautechnologien zusammen mit der Origen Stiftung. Mitte Juni hat die Stiftung das Projekt in Mulegns erstmals präsentiert. 

Der Turm ist 23 Meter hoch und besteht hauptsächlich aus 3D-​gedruckten, organisch geformten, weissen Betonsäulen. Sie tragen vier Etagen, die zwischen vier und acht Metern hoch sind. Ganz oben bilden sie eine Kuppel und umrahmen eine Bühne, auf der Theater, Tanz und Konzerte stattfinden sollen.

Das Projekt verbindet Kultur und Wissenschaft. Mit der Zusammenarbeit wolle die ETH die Brücke zwischen Kultur, Forschung und Technologieentwicklung stärken, sagt Detlef Günther, Vizepräsident für Forschung der ETH Zürich. «Denn neues Wissen entsteht oft dort, wo sich unterschiedliche Disziplinen treffen.»

Der weisse Turm soll optisch an die Bündner Zuckerbäcker-​Tradition erinnern. Zahlreiche Bündner Auswanderer hatten sich im 18. Jahrhundert in Europas Hauptstädten einen Namen als Patissier gemacht, ihre Torten waren filigrane, kleine Zuckertürme mit aufwändiger Verzierung.

Dem Roboter zuschauen

Läuft alles nach Plan, wird im April 2022 eine öffentliche Baustelle eingerichtet. Jede und jeder soll dabei zusehen können, wie ein Roboter den weissen Beton Schicht für Schicht aufträgt. Für eine drei Meter hohe Säule benötigt er gerade einmal zwei Stunden. Eingeplant ist bereits auch der Rückbau: Die Betonelemente können wieder voneinander getrennt und der Turm kann theoretisch an einem anderen Ort wieder aufgebaut werden.

Die ETH und die Stiftung Origen arbeiteten bereits im Jahr 2019 zusammen: Digital gedruckte Betonsäulen bildeten damals in den Gärten der Villa Carisch in Riom ein Bühnenbild für Tanz und Theater.

Von:  Michael Walther