Education Espazium

Beiträge

Entwürfe für zerstörte Freiräume nach Erdrutsch ausgezeichnet

Publiziert 18. März 2025

Entwürfe für zerstörte Freiräume nach Erdrutsch ausgezeichnet

Bis heute sind die Verwüstungen durch einen Hangrutsch Ende August 2023 in der Gemeinde Schwanden GL sichtbar. Einen Lichtblick für die Betroffenen gab ein Projekt mit Landschaftsarchitektur-Studierenden der Ostschweizer Fachhochschule OST. Die Studierenden planten, wie die Neugestaltung der zerstörten Freiräume des Quartiers Plattenau nach der Katastrophe aussehen könnte. Ende Februar wurden die drei Siegerprojekte ausgezeichnet.

 

Willi Meissner, Kommunikation OST


Die Erinnerungen an den Hangrutsch von Schwanden Ende 2023 sind bei Gemeinderätin Gabi Aschwanden aus Glarus-Süd noch frisch. Bei der Prämierungsfeier Ende Februar an der OST beschrieb sie eine geplante Begehung des Quartiers Plattenau, kurz nachdem rund 100 Bewohnerinnen und Bewohner vorsichtshalber aus dem möglichen Hangrutschgebiet evakuiert worden waren: «Ich war zu früh dran und habe in den Hang geschaut, als plötzlich Bäume mitten zwischen den Häusern umfielen. Danach ging alles schnell und dieses braune Monster kam begleitet von einer Staubwolke den Hang herunter und ich dachte nur, da kommen grad Menschen ums Leben», beschrieb Aschwanden ihre Erinnerungen. 

Bis heute sei kein Mensch ums Leben gekommen, aber 15 Gebäude mussten vollständig abgerissen werden, insgesamt entstand ein Schaden von rund 25 Millionen Franken an Wohn- und Geschäftsgebäuden. 


Landschaftsarchitektur im Zeichen des Klimawandels

Für einen Lichtblick konnten Landschaftsarchitektur-Studierende der OST sorgen. Auf Initiative von Jürg Hefti, einem der betroffenen Bewohner im Erdrutschgebiet, planten sie im Rahmen eines studentischen Wettbewerbes in Begleitung von OST-Professor Peter Vogt, wie die Freiräume im verwüsteten Quartier Plattenau wieder lebenswert gestaltet werden können. 

Gerade der Aspekt der Solidarität war Vogt ein besonders Anliegen. Der Projektwettbewerb, der den kreativen Entwurfsprozess sowie aktuelle Ausführungstechnologien miteinander kombinierte, bot eine Gelegenheit, die gesamte digitale Baukette – von der Datenerfassung über die Gestaltung und Modellierung bis hin zur Bauausführung – praxisnah zu erleben und zu erproben. Moderiert von OST-Stabschef Alex Simeon wurden insgesamt drei Siegerprojekte ausgezeichnet. Alle drei verwenden unter anderem auch Material aus dem Erdrutsch. 

  • Das «beste Gesamtprojekt» stellten die Studenten Felix Kratter und Silvan Wildli vor. Ihre Leitidee ist es, im Quartier, das mehr als 1.5 Jahre lang durch geologische Unruhe geprägt war, wieder einen Ort der Ruhe entstehen zu lassen. Im Zentrum ihres Projekts stehen zwei Brunnen, viel Wasser und eine üppige Begrünung. Die Betonelemente für Pflanzungen und Wasserläufe wollen die Studierenden mit gemahlenem Steinmaterial aus dem Erdrutsch gestalten.
     
  • In der Kategorie «grösste Innovation» wurde das Projekt von Leonie Schenkel und Lucia Schaller prämiert. Die Wiederverwendung der Steine aus dem Erdrutsch steht im Zentrum des Konzepts. Die beiden Studentinnen wollen hierfür grosse Findlinge aus dem Erdrutsch als Sitzsteine im Quartier erhalten und Wege mit aus Verrucano-Findlingen gesägten Platten sowie dazwischen liegenden Grünflächen mit Bäumen und Sträuchern gestalten. 
     
  • Das Siegerprojekt mit der «grössten Realisierbarkeit» wurde von Jan Gattiker und Oliver Portner vorgestellt. Die beiden Studenten stellten die Wiederverwendung und einfache Technik für ein kostensensitives Projekt ins Zentrum ihrer Planung. Auch bei ihnen dominieren viele Grünflächen, die Wasser versickern lassen können..


Auch wenn sich laut Initiator Jürg Hefti keines der Projekte sofort umsetzen lässt, «bekommen wir als Betroffene durch die ausgezeichneten Projekte einen Hoffnungsschimmer und Aufmerksamkeit für unsere Herausforderungen, die uns bis heute jeden Tag beschäftigen.»


Kostenfrage teilweise noch offen

Wenn Naturkatastrophen Gebäude beschädigen, sind diese Schäden versichert, jene im Freiraum jedoch in der Regel nicht. Laut Hefti wurden viele Betroffene aus der ehemaligen roten Zone unterdessen entschädigt oder haben neue Wohnmöglichkeiten gefunden. 

Aufgrund der fehlenden Versicherungsabdeckung der Freiräume versuchen die Bewohnerinnen und Bewohner des Quartiers Plattenau mit einer Spendenaktion, die Finanzierungslücke von rund 500'000 Franken für die Instandsetzung zu schliessen.


➔ Weitere Informationen zu den Hintergründen und zur Spendenaktion finden Sie auf plattenau.ch