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Lehrgang «Gendersensibles Planen und Bauen»

Ab September 2025 startet die zweite Durchführung des Lehrgangs «Gendersensibles Planen und Bauen». Es handelt sich dabei um ein Weiterbildungsprogramm des SIA, das in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Frau und SIA sowie dem Verein Lares entwickelt worden ist.

In den letzten Jahrzehnten haben Frauen ihre Perspektiven auf gebaute Räume vermehrt eingebracht. Daneben haben sie Konzepte entwickelt, die den Alltagsbedürfnissen aller Menschen gerecht werden. Der Lehrgang zielt darauf ab, diese Planungsansätze einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen, durch Gender-Perspektiven eine vielfältigere Planung zu fördern und einseitige Strukturen in der Bau- und Planungsbranche aufzubrechen. Darüber hinaus wird dem Austausch zwischen Teilnehmenden und Expertinnen einen breiten Fokus eingeräumt.

Das Auftaktmodul des Lehrgangs bietet eine fundierte Einführung in die Ansätze und Konzepte einer gendergerechten Planung und stellt die Weiterentwicklung dieser Konzepte zu einem umfassenden Gender Planning vor, das auch intersektionale Perspektiven integriert. Die Teilnehmenden lernen welche entscheidende Rolle Genderperspektiven in der Raumplanung spielt und erhalten einen Einblick in erfolgreiche Strategien und Pilotprojekte. Am Beispiel der Stadt Zürich und des Kantons Bern wird die Integration von Gender-Perspektiven in die räumliche Planung reflektiert, um praxisnahe Grundlagen bereitzustellen,die Lösungsansätze für eine gendergerechte Stadt- und Kantonsentwicklung bietet.

Ein zentraler Bestandteil des Lehrgangs ist die Auseinandersetzung mit den Begriffen «Gender Planning» und «Gender Building». Was bedeutet es, gendersensibel zu planen und welche Methoden stehen dafür zur Verfügung? Historische Entwicklungen werden als Ausgangspunkt herangezogen, um blinde Flecken in bisherigen Planungsansätzen zu beleuchten und das Bewusstsein für Genderfragen im gegenseitigen Umgang im Berufsalltag zu schärfen. Die Teilnehmenden lernen Methoden und Ansätze zur Analyse von Planungsobjekten und zur Erarbeitung gendersensibler Konzepte kennen. Die Methoden und Ansätze stützen sich auf den «Gender Kompass Planung» von Lares (2021) und spezifische Qualitätskriterien für gendersensibles Bauen und Planen.

Im Modul 2 werden die Grundlagen und Theorien des «Gender Plannings» behandelt und anhand eines Beispiels für einen konkreten Planungsprozess illustriert. Im Modul 3 vertiefen die Teilnehmenden ihr Wissen zu Kriterien des «Gender Buildings» anhand eines konkreten Gebäudes, indem sie dieses analysieren und seine Qualitäten in diesem Sinne beurteilen. Dabei werden praktische Anwendungeshilfen vermittelt, die sich auch auf die Genderkriterien der Empfehlung SIA 112/1 für nachhaltiges Bauen und den Schweizer Standard Nachhaltiges Bauen (SNBS) abstützen.

Des Weiteren gibt der Lehrgang den Teilnehmenden Einblicke in den Megatrend «Gender Shift», der die Veränderung klassischer Geschlechterrollen beschreibt und einen Einfluss auf die Arbeitswelt hat. «Gender Shift» bedeutet, dass Gleichstellung und Inklusion als zentrale Ziele in der Unternehmenskultur betrachtet werden, um Innovation und Nachhaltigkeit zu fördern. Darüber hinaus wird das Konzept «New Work» behandelt, das die Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensformen und ihre individuellen Stärken in den Mittelpunkt stellt. Flexible Arbeitszeitmodelle, Selbstbestimmung und der Einsatz von neuen Technologien ermöglichen es, traditionelle Arbeitsweisen zu hinterfragen und die Arbeit auf persönliche Bedürfnisse zuzuschneiden. Ziel ist es, den Teilnehmenden Anwendungsbeispiele für eine fortschrittliche, gendersensible Arbeitswelt aufzuzeigen.

Im Schlussmodul des Lehrgangs wird das Gelernte auf seine Praxistauglichkeit hin überprüft: Welche Instrumente und Verfahren müssten angepasst werden, um Gender als Analyseinstrument und Qualitätskriterium in die Planung zu integrieren? Welche politischen Rahmenbedingungen wären nötig, um eine solche Anpassung zu unterstützen? Auch berufspolitische Massnahmen werden diskutiert, um gendersensible Haltungen zu fördern und als selbstverständlichen Bestandteil der Planungskultur zu etablieren. Schliesslich wird der Fokus darauf gelegt, wie Studiengänge und Lehrinhalte gestaltet werden können, um der nächsten Generation das nötige Wissen und die Werkzeuge für gendersensibles Planen zu vermitteln.

Weitere Informationen und Anmeldung

https://lehrgang-gendersensibles-planen-und-bauen.events.sia.ch/