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Im Masterstudium Architektur Themen setzen

Was macht den besonderen Geist der Winterthurer Architekturschule aus? Wir haben bei unseren Master-Studierenden nachgefragt.

 

Aufgezeichnet durch Tibor Joanelly, Dozent und Verantwortlicher Kommunikation, ZHAW Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen. Bild: Jonas Zwahlen

«Jeden Morgen komme ich hier an und denke mir: Schon cool, was wir da haben.» Anastasija Trajkovic, Master-Studentin Architektur, steht auf ihrer Plattform und schaut in die Halle 180. «Es passiert hier so viel. Wenn ich wohin muss, nehme ich oft einen Umweg, um möglichst ganz viel zu sehen. Das Hallenleben ist ein Kosmos.»

In der Halle 180 wurden bis in die 1990er Jahre riesige Druckkessel für die Maschinenindustrie hergestellt. Dann zog die «Winterthurer Bauschule» hierher, das heutige Departement Architektur, Gestaltung und Bauingenieurwesen der ZHAW. Der Einbau von Lernplattformen in die Industriehallen gilt heute noch als mustergültig für den schonenden und innovativen Umgang mit bestehender Bausubstanz. Die offene Atmosphäre ermöglicht ein kommunikatives Lernen sowie Raum für Zusammenarbeit und Inspiration: «Hier ist Platz, hier ist Leben», so eine weitere Stimme aus dem Master.

«Hier werden Themen gesetzt.»

Auch Daniel Edrich ist begeistert vom Raum. Nach einem Bachelor-Studium in Deutschland und einem Praktikum in Zürich führte ihn noch mehr die an der Schule gepflegte Nähe zum Architekturdiskurs nach Winterthur: «Hier passiert etwas, hier werden Themen gesetzt.» Ein Beispiel ist das Curriculum, das ganz der Bewältigung des Klimawandels verpflichtet ist und dabei auf konstruktives Können und technisches Wissen setzt – aber eben auch auf Antworten zu gesellschaftlichen und gestalterischen Fragen. Die Voraussetzungen für das heutige Bauen sind komplex; eine Antwort darauf ist das im Master gepflegte generalistische Berufsbild. Edrich ist «ein grosser Fan» davon: «Es war eine grosse Entdeckung, zu sehen, wie komplex das Thema der Nachhaltigkeit ist. Bei der Beurteilung und beim Entwurf zum Beispiel eines Deckensystems gibt es nicht nur Schwarz und Weiss. Man muss überall sehr spezifisch prüfen und abwägen, um vernünftige Entscheide zu treffen.» Das war für ihn ein Aha-Moment. Doch mit dieser Komplexität fühlt er sich beim Entwerfen nicht alleingelassen; unterstützt wird er durch die jahrelange Berufserfahrung der im Team unterrichtenden Dozierenden.

«Wer mehr fordert, erhält mehr.»

Dass in der Halle 180 «auf Augenhöhe unterrichtet» wird, bestätigt auch Anastasija Trajkovic. Für sie und ihren Entwurfspartner Jordan Schmidli sind die Dozierenden eigentliche «Sparring-Partner, die so viel Input bringen, wie man selbst nachfragt oder mitbringt. Wer mehr fordert, erhält mehr.» Das geht zum Beispiel so: «Die Dozierenden sagen nie, wie Du zu denken hast, sondern eher: ‹Hey, Dein Gedanke geht in diese Richtung – schau doch mal noch dies oder das an, denke es in diese oder jene andere Richtung.› Und wenn Du Dich für einen nochmals anderen Weg entscheidest, dann wird auch dieser unterstützt.» Zum Glück haben die beiden einen «intrinsischen Willen, zu entwerfen». «Durch das Hinterfragen profitiert man.» Die Zusammenarbeit mit den Dozierenden ist dabei ein «gemeinsames Lernen»; und dieses bringt Freiheit und Selbstverantwortung mit sich, wie in einem klassischen, universitären Studium: «Wenn ich im Master meine Ideen einbringe, so kann ich sie verfolgen und umsetzen. Diese Freiheit gefällt mir. Man lernt, was man eigentlich lernen will», so Trajkovic. «Der Master ist Inspiration auf die Spitze getrieben.»

Freie Wahl der Thesis-Arbeit

Dies zeichnet sich auch in der freien Wahl des Themas für die Master-Thesis ab, das während des vorangehenden Semesters in Eigeninitiative erarbeitet wird. Dieses selbständige und doch fachlich fundiert begleitete und an der Praxis orientierte Arbeiten rüstet für das Berufsleben, vor allem, wenn es darum geht, in einem Büro eine leitende Position einzunehmen oder selbständig Wettbewerbe zu gewinnen. Und weil das Studium ein eigentliches Ideen-Labor und damit der Praxis immer einen Schritt voraus ist, sehen sich die Master-Studierenden als Botschafter:innen. Jordan Schmidli bringt es auf den Punkt: «Die Werkzeuge, die wir in die Praxis mitbringen, können wir da auch weitergeben.»

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