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Ers­ter Mas­ter­stu­di­en­gang für In­nen­ar­chi­tek­tur lan­ciert

Publiziert 23. Januar 2020

Ab sofort bietet die Haute école d’art et de design in Genf (HEAD) den schweizweit ersten Masterstudiengang für Innenarchitektur an.

Seit Einführung der Bologna-Reform, die eine internationale Harmonisierung der Ausbildung zum Ziel hat, erhalten die Studierenden den Abschluss zum Diplom Innenarchitekten nicht mehr an Kunstgewerbeschulen, sondern an den Fachhochschulen in Form eines Bachelor. Hier endete die Reise bis dato.

Für die Entwicklung eines Masterstudiengangs engagiert sich eine Arbeitsgruppe innerhalb des Ressorts Beruf & Bildung vom Verband Schweizer Innenarchitekten (VSI.ASAI.) und steht mit den vier infrage kommenden Schulen im ­Austausch. Mit dem Masterstudiengang erhält zuerst das Studium in Genf seinen vollen Umfang zurück und ist international vergleichbar. Arbeiten und Austauschjahre im Ausland sind problemlos möglich.

Als Vorreiter für die anderen Fachhochschulen wird hier eine Art Leitfaden entwickelt, in dem Kriterien und Qualitäten definiert sind. Eine ansehnliche Anzahl an Mitgliedern des VSI.ASAI. sind als Dozenten, Lehrbeauftragte und Forschende dort tätig. Jährlich vergibt der Verband einen Förderpreis für die besten Diplomarbeiten. Der gemeinsame Plan, dass die Studierenden für den «Swiss Master» an jeder der vier Fachhochschulen ein Semester absolvieren, scheiterte an politischen Schwierigkeiten. Genf und Luzern haben daraufhin eigene ­Konzepte erstellt, an denen sich die Schulen in Basel und im Tessin nun orientieren können.

Denkmalschutz reloaded

Das Aufgabenfeld der Innenarchitektur erfährt durch das immer wichtiger werdende Bauen im Bestand wachsende Bedeutung. Qualifizierte Innenarchitektinnen schaffen durch ihre geistige Arbeit Neuheiten in und mit bestehenden architektonischen Strukturen. Professionelle innenarchitektonische Eingriffe sind in ihrem räumlichen, historischen und kulturellen Kontext vielfältig verankert, nachvollziehbar, emotional und sinnstiftend. Besonders spannend ist das bei Bauten, deren Wert noch nicht im Bewusstsein der Gesellschaft angekommen ist. Das gilt momentan vor allem für die in den frühen 1980er-
Jahren bis zur Jahrtausendwende entstandenen Gebäude. Eine Wertschätzung der darin enthaltenen graue Energie, unabhängig vom architektonischen Erscheinungsbild, muss sich erst durchsetzen. Dann kann gemeinsam mit einer offenen und partnerschaftlichen Arbeit ein neues Leitbild für die Gegenwart entstehen. Die Verantwortung für Baukultur ist ein fundamentaler Bestandteil der Innenarchitektur.

Ein anderer Bereich, der sich rasant entwickelt, umfasst Spitäler, Kliniken und Einrichtungen für Senioren. Insgesamt wird eine fachübergreifende Zusammenarbeit immer selbstverständlicher – nicht nur mit Bauämtern, der Denkmalpflege und Architekten, Landschaftsarchitekten, Designerinnen, sondern sinnvollerweise auch mit Historikern, Soziologinnen und Psychologen.

Die Digitalisierung der ­Baubranche hat den Berufsalltag stark verändert: Statt Bleistift und Skizzenrolle bestimmen BIM und E-Mails den Tag. Der direkte Kontakt mit den Baubeteiligten vor Ort schafft einen lebendigen Wechsel von Theorie und Praxis und ist eine Besonderheit dieses Berufs.

Der VSI.ASAI. unterstützt die fachliche Wahrnehmung von Innenarchitektinnen in der Schweiz. Mit dem starken Einsatz für eine konsequente Qualitätssicherung der Ausbildung ist ein wichtiger Schritt zur Weiterentwicklung des Berufsstands getan.

Masterstudiengang

Der Direktor des Fachbereichs Innenarchitektur an der Haute école d’art et de design (HEAD), Dr. Javier Fernandez Contreras, hat das Aufgabenfeld im Bachelorstudium nochmals in einzelne Sparten wie Wohnen, Arbeiten, Öffentlichkeit und Handel untergliedert. Eine Vorbereitung auf übergreifende Zusammenarbeiten und hybride Bauaufgaben ist Teil der Ausbildung.

Absolventen des Masterstudiengangs erhalten weiterführende Kenntnisse für Management und projekt­leitende Aufgaben in ökologischen bis denkmalpflegerischen, technischen bis designorientierten Bereichen. Das Programm ist in Kooperation mit den Masterstudiengängen der HES-SO / BFH in Architektur (Genf, Fribourg, Burgdorf), Schweizer Universitäten und der Ecole Camondo in Paris organisiert.

«Ich bin überzeugt davon, dass Innenräume heutzutage als Labor der Moderne zu betrachten sind», sagt Javier Fernandez Contreras. «Im frühen 20. Jahrhundert galten Städtebau und Architektur als Inbegriff der Moderne. Heutzutage befinden sich Innenräume in einem stetigen Wandel, genau wie die Gesellschaft, die sie benutzt und belebt. Mit einer bewusst gestalteten Innenarchitektur lassen sich Entwicklungen in privaten wie öffentlichen Umfeldern beeinflussen.» 

Eingabeschluss Bachelor: 13. März 2020, Eingabeschluss Master: 3. April 2020
www.hesge.ch Termine der Informationsabende auf head-geneve.ch.


Text: Hella Schindel, Redaktorin TEC21 / Architektur und Innenarchitektur