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Berühmtheit, Kampfgeist und Gemeinschaft
Berühmtheit, Kampfgeist und Gemeinschaft
Von Siza bis Schneesturm: Auslandserfahrungen und Atelier-Alltag in der umgebauten Industriehalle.
Die Architektur ist eine Begleiterin des täglichen Lebens. Ob in der eigenen Wohnung, auf dem Weg zur Schule oder auf Reisen: Ihr Einfluss auf unser Leben ist allgegenwertig. Wer die gebaute Welt bewusst wahrnimmt und über eine grosse Portion Wille verfügt, kann diese verstehen und nach dem Studium auch verändern.
Im Studienalltag wird die Wahrnehmung unserer Umwelt in erster Linie durch bekannte Bauten geprägt, durch sogenannten Referenzobjekte. Diese befinden sich auf der ganzen Welt. Einen Beitrag zur Horizonterweiterung bieten darum Seminarreisen in jedem Semester sowie die Möglichkeit eines Auslandsaufenthalts.
Dasselbe Gefühl, als würde ein Sänger die Bühne betreten
«Als ich ein Jahr vor meinem Auslandsaufenthalt eines der Objekte des weltbekannten und über 90 Jahre alten Architekten Alvaro Siza analysierte, hätte ich mir gewünscht, ihn persönlich zu treffen. Durch einen Zufall hatte ich dann Gelegenheit, während meines Auslandaufenthalts in Porto in Portugal eine Lesung von ihm zu besuchen. Als Siza schliesslich den Raum betrat, war es dasselbe Gefühl, wie wenn ein Sänger die Bühne betritt.» Überhaupt hat sich für Valentina Santos Ferreira mit dem Studienaufenthalt im Ausland eine Tür zu einer neuen Welt eröffnet. Die Architektur ihrer portugiesischen Heimat war ihr bislang noch fremd. Dort zu studieren, schärfte ihren Blick auf die portugiesische Kultur ihrer Familie: gerade der internationale Architekturstar Alvaro Siza war auf eine sehr portugiesische Art nahbar, wie das «Beweisfoto» zeigt.
Vom Role-Model zum Architekturmodell
Im Studium lernt man auch von den Menschen, denen man begegnet, auch wenn sie einer anderen Zeit oder einem anderen Ort angehören. Alvaro Siza steht für komplizierte und faszinierende Räume, und solche lernt man im Studium am besten verstehen, wenn man sie im Modell nachbaut. Im richtigen Massstab tragen diese zur Wahrnehmung und zum Verständnis von Architektur bei. In der Analyse begegnet man nicht nur einer Raumkonzeption, sondern auch der Haltung dessen, der ein Gebäude entworfen hat. Es ist also ein kleiner Schritt vom Architekturmodell zum Role-Model. Wie wichtig Modelle werden, lässt sich anfangs Studium kaum erahnen. Die investierte Arbeit und die sorgfältige Ausführung machen jedes Teil davon kostbar – manchmal um jeden Preis, wie eine Anekdote aus Belgien zeigt.
Während seines Austauschsemesters in Gent baute auch Kai Guhl Modelle. Mit einem Schmunzeln erzählt er von seinem Kampf durch die historische Altstadt: Gegen Wind, Regen und sogar Schnee trat er an, um sein mit Plastikfolie geschütztes Modell unversehrt ans Ziel, die Kritik, zu bringen – auch, wenn er selbst dabei völlig eingeschneit wurde. Das Architekturstudium stellt hohe Anforderungen und fördert und verlangt genau einen solchen kämpferischen Geist.
Aus einem Parkhaus Wohnungen machen
Architektur macht es uns Studierenden nicht immer einfach, wie eine Semesteraufgabe zeigt: Können etwa ein Parkhaus zu einem Wohnhaus oder eine Auto-Garage zu einer Schule transformiert werden? In der ZHAW, die sich in einer ehemaligen Kesselfabrik befindet, scheint dies äusserst nachvollziehbar. Kai, der bei einer Semesterarbeit die Transformation des Parkhauses behandelt hat und im Auslandsaufenthalt in einer ehemaligen Autogarage den Unterricht besuchte, stimmt dem klar zu: «Jeder Bestand hat eine Geschichte. Jede Geschichte hat einen Wert. Die Geschichte des Hauses ist sehr stark und hat somit ein Recht, weiterzuleben.»
Bauen im Bestand ist ein Thema, um das niemand mehr herumkommt: Vor allem, weil damit Treibhausgase reduziert werden können. Die Aufgabenstellung der Umnutzung eines Parkhauses stellte Kai und seine Mitstudierenden vor komplexe Herausforderungen, denen nur mit Kreativität beizukommen ist.
Die Gemeinschaft
In Winterthur an der ZHAW findet diese Kreativität einen wunderbaren Ort: in die Halle der einstigen Sulzer-Kesselfabrik hat man Anfang 1990er Jahre mehrere Plattformen eingezogen, auf denen der Entwurfsunterricht stattfindet. Die offene Atmosphäre fördert nicht nur das Verständnis für die Gesamtzusammenhänge von Bauen, Nachhaltigkeit und Gesellschaft, sondern auch die Gemeinschaft – trotz dem Kämpfergeist für das eigene Projekt. Der gemeinschaftliche Soul der Schule ist auch sehr stark präsent im direkten Kontakt mit den Dozierenden.
Kämpfergeist, Gemeinschaft und Kreativität: sowohl in der Halle als auch im Austauschsemester häufen sich Eindrücke und Erfahrungen, welche die persönliche und fachliche Entwicklung weiterbringen. In der Gemeinschaft gleichgesinnter Mitstudierender und mit dem direkten Kontakt zu den Dozierenden bestreitet man Herausforderungen und Problemstellungen, die einem für den Beruf wappnen. — aufgezeichnet von Janique Lehner, Bachelor-Absolventin Architektur an Der ZHAW.
Weitere Informationen und Anmeldung : Bachelor in Architektur | ZHAW