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Ju­rie­rung mit Über­ra­schun­gen

Publiziert 28. September 2022

Ju­rie­rung mit Über­ra­schun­gen

Nach einigen Jahren Pause wird 2022 wieder der SIA Masterpreis Architektur für die besten Masterarbeiten in diesem Fachbereich vergeben. Ende August traf sich die Jury, um die Gewinnerprojekte zu küren – und sah sich Unerwartetem gegenüber.

Schulen, Wohnüberbauungen, Museen – das sind die Aufgaben, mit denen sich Architektinnen und Architekten heute häufig bei Wettbewerben konfrontiert sehen. Ein Grossteil der von den Hochschulen nominierten 33 Arbeiten für den diesjährigen SIA Masterpreis Architektur behandelte allerdings soziologische Fragestellungen, die Folgen des Klimawandels, Re-use, theoretische Analysen und Infrastrukturprojekte – nicht ausschliesslich, doch eben zu einem durchaus auffallenden Teil.

Die Themenwahl liess die Jury, die die Projekte Ende August an zwei Tagen in der Aula der Fachhochschule Nordwestschweiz in Muttenz unter der Moderation von BGA-Präsident Philippe Jorisch begutachtete, zunächst überrascht zurück. Immerhin hatten sie die besten Masterarbeiten im Bereich Architektur zu küren. Wie also mit einem Projekt umgehen, bei dem am Ende gar keine Architektur entsteht?

Beruf im Wandel – aber nicht zu sehr

Die anfängliche leichte Verblüffung über die Themenwahl mündete schon bald in angeregte Diskussionen. Sie machten deutlich: Das Berufsbild des Architekten, der Architektin befindet sich aktuell in einer Transformation. Die grosse bauliche Geste, der architektonische Wurf ist nicht das, was die Studierenden hauptsächlich beschäftigt, sondern es sind die drängenden Probleme der Gegenwart: der Klimawandel, die sich immer weiter öffnende Schere zwischen Arm und Reich, der Graben zwischen Stadt und Land – eine Haltung, die Hoffnung macht, auch wenn sie die Jurymitglieder in diesem Kontext zunächst vor Herausforderungen gestellt hat.

Ganz wie gehabt ging es hingegen in einer anderen Causa zu: Trotz Geschlechterparität bei den Studierenden (und die schon seit einigen Jahren!) betrug der Anteil der Projekte von Frauen unter den eingereichten Masterarbeiten nur ein Viertel. Ob dies an der Qualität der Projekte lag oder doch an den alten Seilschaften, wird spätestens die nächste Ausgabe des Preises zeigen.

Vergeben wurden übrigens drei Preise und fünf Anerkennungen. Wer sie entgegennehmen darf, erfahren wir an der Preisverleihung am 26. Oktober im Schweizerischen Architekturmuseum S AM in Basel.

Tina Cieslik – Head of Content espazium.ch

Die gesamte Berichterstattung zum SIA Masterpreis finden Sie in unserem E-Dossier.

 

SIA Masterpreis Architektur


Mit dem Preis zeichnet die Berufsgruppe Architektur (BGA) des SIA zusammen mit dem Architekturrat der Schweiz die besten Masterarbeiten im Bereich Architektur aus. Alle Projekte, die im Herbstsemester 2021 oder im Frühlingssemester 2022 abgeschlossen wurden, qualifizierten sich für die diesjährige Auswahl. Die Nomina­tion der Arbeiten erfolgt durch die jeweiligen Schulen, eine unabhängige Jury prämiert jeweils fünf bis acht Projekte. Dotiert ist der Preis mit 14 000 Franken.


Die Jurierung der Arbeiten geschieht durch ein von den Schulen unabhängiges Preisgericht. Die Jurierung fand Ende August in der FHNW in Muttenz statt. Die Auszeichnungen werden am 26. Ok­tober 2022 im Schweizerischen Architekturmuseum in Basel verliehen.